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Wenn der Lohn nicht zum Leben reicht

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Die Veröffentlichung des 4. offiziellen Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung ist verschoben. Viel Wirbel hat es bereits im Vorfeld der anstehenden Veröffentlichung gegeben. Es wird von Streichungen ganzer Textpassagen bis hin zur Beschönigung von gesellschaftlichen Trends gesprochen, für die das Bundesministerium für Wirtschaft und Soziales verantwortlich sein soll.

Gestern ist der Bericht der Nationalen Armutskonferenz (nak) erschienen, der sich unter Anderem mit einer der augenscheinlichsten Ursachen von Armut in Deutschland beschäftigt: Niedrigen Löhnen, mangelnden Chancen in der Arbeitswelt für Menschen mit Migrationshintergrund und Menschen mit unzureichender Ausbildung. 

Die Position der "nak" hat sich hierbei nicht im Wesentlichen zu vorangegangenen Äußerungen der teilnehmenden Gewerkschaften und Sozialverbände geändert.
Forderung nach höheren ALG2-Sätzen, Mindestlöhne für alle Arbeitnehmer und eine stärkere Unterstützung des Staates sind hinreichend bekannte Forderungen. Von einer "gewollten" Armut seitens der Bundesregierung zu sprechen, ist unseres Erachtens jedoch in dieser Weise noch nicht zuvor formuliert worden. 

Eine Anhebung der ALG2-Sätze führte unseres Erachtens zu einer gefühlten Legitimation langfristigen Bezuges von sozialen Leistungen und förderte die Entstehung eines alternativen Lebensmodels parallel zur Arbeitswelt. Daher können wir diese These der "nak" nicht unterstützen. 

Anders sieht es hingegen mit der Forderung nach Mindestlöhnen aus. Es darf nicht sein, dass Arbeitnehmer in Vollzeitanstellung zusätzlich ergänzende Leistungen des Staates erhalten müssen, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Die flächendeckende und branchenübergreifende Etablierung von Mindestlöhnen ist seit Jahren überfällig. 

Die "nak" kritisiert die Bundesregierung und wirft ihr vor, verheimlichen zu wollen, dass die Entfernung zwischen armen und reichen Menschen in Deutschland immer mehr zunimmt.

Diese Äußerungen können wir seit Jahren in Berichten der Gewerkschaften und Sozialverbände lesen.

Und dennoch: 
Es lassen sich eine Vielzahl von Anzeichen in der Arbeitswelt ausmachen die, so erscheint es, den gleichen Trend beschreiben: Die Verlagerung von Arbeit in einen Schattenarbeitsmarkt. 

Da werden Tochterunternehmen gegründet, outgesourced, ingesourced, Subunternehmen beauftragt und, und, und. Die Liste scheint endlos.
Nur eine Tatsache lässt sich bei all diesen Maßnahmen nicht leugnen: Der Grund, warum Unternehmen diesen Aufwand betreiben. Unternehmen aller Branchen, in allen Teilen Deutschlands, aber auch Gewerkschaften und soziale Träger betreiben diesen Aufwand um Geld zu sparen, Flexibilität zu schaffen oder ihre unternehmerische Personalverantwortung outzusourcen. 

Es scheint, als griffen die Arbeitgeber in Deutschland gerne zu den augenscheinlich einfachsten Mitteln der Flexibilisierung und Lohnkosteneinsparung. Dabei lassen sich beide dieser Komponenten auch mit einer fair entlohnten Stammbelegschaft beeinflussen. 

Der Griff nach Lösungen aus der Schattenarbeitswelt unterstreicht die Ohnmacht von Arbeitgebern bezüglich innovativer Personalarbeit. 

Wir erwarten mit Spannung den 4. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung. 

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